Im Rahmen einer benoteten Projektarbeit hat sich der 10er-YOUrope-Kurs von Frau Brocker mehr als ein halbes Jahr mit dem Thema Migration befasst. Besonderer Fokus lag dabei auf der Arbeitsmigration. Der Kurs wertete viele Quellen aus, um sich mit den Höhen und Tiefen der Arbeitsmigration aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Epochen auseinanderzusetzen.
Eine dieser Quellen war auch das Buch „Kartonwand“ von Faith Çevikkollu. In diesem Buch erzählt er autobiografisch, wie es war, als Kind türkischer Arbeitsmigranten der ersten Generation – sogenannter Gastarbeiter – in der Bundesrepublik aufzuwachsen. Er berichtet, wie identitätsprägend das Leben zwischen zwei Kulturen war und auch von den mentalen Folgen einer sich verfestigenden Heimatlosigkeit. Titelgebend führt er den Begriff „Kartonwand“ ein.
Faith Çevikkollu berichtet von jener Kartonwand, die buchstäblich eine ganze Zimmerwand in ihrer Wohnung einnahm; gebaut aus Kartons, welche stets gepackt auf die ersehnte Rückkehr in die Türkei warteten. Er verbindet mit dieser Kartonwand Unwohlsein und Gefühle, wie nie angekommen zu sein oder unbeschwert leben zu können.
Den Zehntklässler*innen gaben die intimen Einblicke in die Familiengeschichte des Autors zu denken. Es folgte eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen zur eigenen Identität, Heimat und dem, was im Leben wirklich zählt. Was wäre, müsste ich mein ganzes Leben in einen Karton einpacken?
Es entstand die Idee, die negativ konnotierte Kartonwand der türkischen Migrationsgeschichte symbolisch in eine positive Kartonwand zu wandeln. Eine THG-Kartonwand, deren Kartons wie Schatzkisten Leben und Identität der einzelnen Kursmitglieder darstellen.
Die engagierten Schülerinnen gestalteten „ihre Kartons“ und reflektierten ihre Arbeit in individuellen Aufsätzen. Mit ihrer Kreativität steckten sie die Schülerinnen des 9er-YOUrope-Kurses an, die sodann ebenfalls die Projektarbeit aufnahmen.
Zum Abschluss der Projektarbeit ist eine diverse Kartonwand entstanden, die die Zehntklässler*innen ab Mai in einer Ausstellung in der Schule präsentieren. Jeder Karton erzählt eine andere Geschichte. Jedes kleine Symbol ist wichtig und kann Bände sprechen. Je länger man die Kartonwand anschaut, desto mehr entdeckt man.
Und man kann sich anstecken lassen, selbst nachzudenken: Wie würde mein Karton aussehen, würde ich das Wichtigste, alles Sein, mein ganzes Leben darin verpacken?
Herzliche Einladung zum Besuch der Ausstellung „Karton für Karton: Wer wir sind“ auf dem Verwaltungsflur des Theodor-Heuss-Gymnasiums!





