SÜD. Der scheidende THG-Leiter Frank Strasen über die Höhen und Tiefen seiner achtjährigen Amtszeit und die Debatte um den Stadtteil.

Die brasilianische und die deutsche Flagge sind schon von seinem Schreibtisch verschwunden. Am Donnerstag hat Frank Strasen (65) seinen letzten Tag als Leiter des Theodor-Heus-Gymnasiums (THG). Er geht in den Ruhestand. Vor acht Jahren trat Strasen diese letzte Stelle seiner beruflichen Laufbahn an. Davor leitete er acht Jahre lang die deutsche Schule in Rio de Janeiro. Vier Bewerber möchten an der Theodor-Körner-Straße Strasens Nachfolge antreten. Eine Entscheidung fällt in sechs bis acht Wochen.

Herr Strasen, viele Schulen haben Schwierigkeiten, die Leiterposition zu besetzen. Das ist am THG nicht das Problem…

Nein, aber es ist nicht mehr selbstverständlich, dass es mehrere Bewerber auf eine Leiterstelle gibt. Ich bin jetzt insgesamt 22 Jahre Schulleiter gewesen. Das ist sicher eine Ausnahme.

Was macht Spaß am Schulleiter-Dasein?

Ich hatte immer den Anspruch, etwas zur Bildungsgerechtigkeit beizutragen. Mit diesem Ziel habe ich mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt. Als Schulleiter sollte man in der Mitte zwischen Schülern, Eltern und Lehrern stehen und vermitteln, keine Partei für nur eine Seite ergreifen. Man ist auch Motor. Das ist auf Dauer anstrengend.

Was war für Sie der Höhepunkt in Ihren acht Jahren am THG?

Sicher die Zertifizierung als Europaschule. Das haben wir 2015 mit einer Projektwoche gefeiert. Das war der emotionale Höhepunkt.

Was war für sie der Tiefpunkt?

Der Tod unserer Schülerin Paula Maaßen vor knapp zwei Jahren.

Sie wurde in Herne von einem Zug erfasst.

Die Umstände ihres Todes sind immer noch nicht geklärt. Sie war vor ihren Tod anderthalb Tage lang verschwunden. Da ist für mich immer noch etwas Unerledigtes, auch wenn ich die Schülerin selbst nie im Unterricht hatte. Wir haben nach wie vor Kontakt zur Familie. Paula hätte 2018 Abitur gemacht.

Wo haben Sie in den vergangenen Jahren Akzente gesetzt?

Wir haben unsere Beratungslehrer weitergebildet und unsere Zusammenarbeit mit dem Jugendamt stark verbessert. Die Qualitätsanalyse hat uns ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Wir wurden als ,,Kümmererschule‘‘ bezeichnet. Darin finde ich unser Verständnis wieder.

Wie haben Sie die Debatte um die Südstadt verfolgt?

Der Stadtteil hat sich in den vergangenen Jahren nicht unbedingt zum Vorteil verändert. Viele Leute haben das Gefühl, dass Infrastruktur Stück um Stück verloren geht. Allerdings fand ich es unfair, dass die Diskussion sehr auf den Bürgermeister zugeschnitten war.

Worauf freuen Sie sich im neuen Lebensabschnitt?

Darauf, die Verantwortung abzugeben.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Nichts wirklich Konkretes. Ich werde wieder mehr laufen und mein Saxofon auspacken. Und ich fahre mit meinen beiden Töchtern in den Ski-Urlaub. Zum ersten Mal außerhalb der Ferien.

Reizt Sie Brasilien noch?

Ich bin auch zuletzt oft dort gewesen. Aber die politische Entwicklung ist schwierig. Bolsonaro ist ein Faschist. Auch in Rio haben ihn 60 Prozent gewählt, darunter bestimmt auch Freunde und Bekannte, von denen ich das nicht gedacht hätte.

Bleiben Sie dem THG erhalten?

Ich könnte mir vorstellen, dass ich mich einmal in der Woche als Pate unseres Coaching-Programms um Schüler kümmere.

Alexander Spieß, Recklinghäuser Zeitung, 30.1.2019